Autofotografie: Tipps von Stefan Dokoupil

29. August 2016
von Steffen Körber
6 Kommentare

Autofotografie: Tipps von Stefan Dokoupil

Stefan Dokoupil stammt aus Österreich und arbeitet als Fashion- und Werbefotograf in London. Er wurde für seine Werke schon mehrfach ausgezeichnet, verfügt über internationale Erfahrung und weiß mit einigen seiner Projekten durchaus auch zu provozieren. Eine seiner Leidenschaften gilt Autos, die er ebenfalls gekonnt in Szene setzt. Im Interview sprechen wir mit ihm über seine Autofotografie.

Autofotografie – Mercedes Oldtimer / Foto: Stefan Dokoupil
Ein Oldtimer im Kornfeld (Foto: Stefan Dokoupil)

Herr Dokoupil, welche Locations eignen sich grundsätzlich für die Autofotografie?

Es ist wichtig, dass die Location zum Auto passt. Ich kann beispielsweise einen ›Rat Rod‹, also einen alten, rostigen amerikanischen Wagen, nicht vor ein pompöses Schloss stellen. Passend dafür wäre eher eine verfallene industrielle Location. Umgekehrt kann man einen Rolls-Royce eben genau davor nicht platzieren, außer man möchte bewusst einen extremen Gegensatz erzeugen.

Autofotografie – Pickup im Wald / Foto: Stefan Dokoupil
Die Location muss – wie hier – zum Auto passen (Foto: Stefan Dokoupil)

Was muss man beachten, wenn man ein gutes Foto von einem Auto machen möchte?

Da gibt es zwei wichtige Punkte. Der erste betrifft die Perspektive und die Proportionen. Man sollte darauf achten, dass man die Proportionen des Autos nicht verunstaltet. Wenn ich jetzt einen klassischen Oldtimer in einem extremen Weitwinkel fotografiere, dann wird mir der Besitzer sagen: »Du, ich habe gar keine so lange Motorhaube, das ist falsch, das stimmt nicht.«

Das zweite ist der Charakter des Autos, den ich immer einzufangen versuche. Ich stelle mir die Frage, wie das Auto funktioniert, wie es sich anfühlt und was für eine Geschichte dahinter steckt. Man muss sich einfach für das, was man fotografiert, interessieren. Wenn ich ein Auto fotografiere, lasse ich mir vom Besitzer die Geschichte dazu erzählen. Wo kommt es her, wer hat das Auto vorher gefahren, wie verlief die Restauration? So bekommt man ein Gefühl für das Motiv und man kann es ganz anders in Szene setzen. Das sieht man am Ende in den Bildern.

Autofotografie – Detailaufnahme der Armaturen / Foto: Stefan Dokoupil
Mit Detailaufnahmen lassen sich die Besonderheiten eines Autos gut hervorheben (Foto: Stefan Dokoupil)

Welche Details hebt man in der Autofotografie klassicherweise hervor? 

Auch das hängt davon ab, welche Art von Auto man fotografiert. Oldtimer sind meist perfekt restaurierte Fahrzeuge, die eine Vielzahl an spannenden Details bieten, die auch eine Geschichte erzählen. Beispiele sind die originalen Felgen, Logos oder auch die Seriennummern. Schöne Details können auch Linien sein, die zum Teil sehr geschwungen sind. Dazu gibt es auch eine kurze Anekdote: Ich fotografiere oft Haare für Friseure. Einer dieser Friseure hat eine Idee für eine neue Frisur gesucht. Ich habe ihm daraufhin einfach Fotos von Kotflügeln geschickt. Und am Ende hat er tatsächlich seine Frisuren anhand der Schwünge von Kotflügeln gemacht. Linien sind generell sehr schön. Eine Karosserie kann man mit den Kurven einer Frau vergleichen. Das hat beinahe schon etwas Erotisches.

Kann man grundsätzlich jedes Auto in Szene setzen oder lohnt sich das nur für ›besondere‹ Fahrzeuge wie Oldtimer, US-Muscle-Cars oder teure Sportwagen?

Es kommt immer darauf an, wo man etwas fotografiert. Man kann auch einen alten, eckigen Toyota aus den 80ern toll in Szene setzen, wenn man nur die Geschichte dahinter versteht. Wenn man so ein Auto irgendwo vor einen Sonnenuntergang stellt, wird das Foto wahrscheinlich nicht funktionieren. Wenn ich mich aber in die 80er Jahre zurückversetze, wo man mit den Autos gedriftet ist und Rennen fuhr, habe ich ein Bild dazu und kann das entsprechend inszenieren. Ich glaube, dass man jedes Auto in Szene setzen kann, selbst einen alten Lada. Wenn ich an Lada denke, habe ich beispielsweise die Tundra vor Augen, etwas Grobschlächtiges, man muss es eben passend in Szene setzen.

Gab es eine bestimmte Idee hinter dem Foto des alten Seat?

Autofotografie – Seat Punto / Foto: Stefan Dokoupil
Ein alter Seat Punto in mediterranem Ambiente (Foto: Stefan Dokoupil)

Ja. Dieses Bild wurde auf Lanzarote aufgenommen. Ich wollte das mediterrane Feeling einfangen. Der Fiat oder auch Seat Punto waren typische Autos für das Italien der damaligen Zeit. Das Auto steht direkt am Meer. Man sieht den Horizont, die Wolken, Boote im Hintergrund. Und man kann sich dabei vorstellen, dass man in das Auto einsteigt, runter zum Hafen fährt und einen Kaffee trinken geht.

Spielt die Technik für Ihre Fotografie eine wichtige Rolle?

Die Technik ist mir schon sehr wichtig. Ich stelle sie aber nicht in den Vordergrund. Das Gefühl ist für mich mindestens genauso wichtig. Wenn ich das Gefühl und die Technik verbinde, dann kann eigentlich nur ein gutes Bild herauskommen.

Gibt es denn technische Voraussetzungen für die Autofotografie?

Kurz gesagt: Licht und eine Kamera. Man kann ausschließlich mit natürlichem Licht arbeiten oder einen Aufheller verwenden und damit Autos irrsinnig schön inszenieren. Schönes Licht hat man entweder zeitig in der Früh oder spät am Abend. Wobei ich eher dazu rate, morgens zu fotografieren. Wenn man abends fotografiert, geht die Sonne unter und ist irgendwann weg. Frühmorgens kann man bei Sonnenaufgang anfangen und einfach in den Tag hinein fotografieren. So ist man entspannter und hat nicht immer den Druck, dass die Sonne gleich untergeht. Ansonsten kann man natürlich auch Blitzlicht einsetzen. Ich fotografiere meist mit maximal zwei Blitzen. Die Frage ist immer: Was will ich erreichen? Will ich ein ruhiges, stimmiges Bild erzeugen oder mit Effekten arbeiten?

Welche Effekte kann man einsetzen? 

Ein vielgenutztes Beispiel ist Nebel. Diesen Effekt erreiche ich, indem ich das Auto über eine Wasserlache stelle und Trockeneis in das Wasser lege. So steigt unter dem Auto Nebel auf.

Was sind typische Fehler, die Anfängern in der Autofotografie unterlaufen?

Viele Fotografen schauen nur auf das Motiv, nicht aber auf das, was dahinter passiert. Gerade im Außenbereich läuft oft jemand mal durch das Bild oder es steht ein Fotorucksack mitten im Set. Das fällt vielen erst hinterher auf, wenn sie das Bild betrachten.

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Es handelt sich hierbei um einen Auszug des Interviews, das Sie in voller Länge in fotoespresso 4/2016 auf den Seiten 54 bis 60 finden.

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6 Kommentare:
  1. “ … Was sind typische Fehler, die Anfängern in der Autofotografie unterlaufen? …“

    Man könnte hinzufügen: falsche / fehlende Schatten und Lichtreflexionen. Davor sind scheinbar auch Profis nicht gefeit ;-).
    Vorweg: Es sind eigentlich recht sauber ausgearbeitete Montagen. Nur scheint mir der Jaguar radlos über dem Steg zu schweben. Außerdem deuten die Lichtreflexe auf eine strahlende Sonne von vorne oben, während im Hintergrund wohl eher gerade dieselbe untergegangen ist.
    Ähnlich beim Pickup auf Seite 56. Die Lichtreflexe deuten auf eine Sonne aus Betrachterseite, während diese im Hintergrund rechts für starkes Gegenlicht sorgt.
    Ich muss natürlich zugeben, dass ich durch „docmatisches“ Studium etwas „versaut“ bin 😉

    Trotz dieser nicht bierernst gemeinten Kritik: Gerne weiter so!

    Gruß
    B.K.

  2. Hallo kleiner Hinweis, das abgebildete Fahrzeug ist ein Fiat Panda! Das baugleiche Fahrzeug von Seat wäre ein Seat Marbella, hat dann aber einen anderen Kühlergrill. Einen Seat Punto gibt es nicht., nur einen Fiat Punto und der ist „etwas“ größer 😉
    Ansonsten sehr netter Beitrag 😉
    Gruß Thorsten Koch

  3. Ich danke Ihnen für den interessanten Beitrag. Es ist wirklich wichtig solche Autos gut in Szene zu setzen. Ein professionelles Foto ist auch für den Verkauf sehr förderlich.
    Mit besten Grüßen,
    Jens

  4. Der Tipp mit den außergewöhnlichen Fotos war für mich sehr gut. Wir hatten für unseren alten Wagen sehr viele Interessenten beim Verkauf. Beim Fahrzeughandel konnten wir uns so ein schönes neues Auto leisten. Wir haben für den alten noch 3.500 Euro bekommen.

  5. Vielen Dank für den Beitrag zur Autofotografie. Mein Onkel macht manchmal Fotos für den Autohandel und freut sich über professionelle Tipps. Gut zu wissen, dass auch der Hintergrund entscheidend für ein gutes Foto ist.

  6. Mein Vater hat einen Oldtimer und will eine Aufbereitung machen. Als Geschenk möchte ich danach Fotosession für sei Lieblingsauto machen. Vielen Dank für interessanten Artikel, ich werde hier genannte Tipps nutzen (besonders mit Detail-Fotos)

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