Aufziehen von Bildern mit Kaltklebefolie

26. Juni 2019
von Jürgen Gulbins
5 Kommentare

Möchte man Bilder rahmen, so sollte man sie dazu auf einen Hintergrundkarton ausreichender Stärke aufziehen. Dies verhindert, dass sich die Bilder wellen. Als Hintergrundkarton verwendet man in der Regel einen 1,5–2,0 Millimeter dicken Karton, zumeist einen weißen. Dieser Karton sollte wie das Passepartout aus säurefreiem, gepuffertem Material bestehen und die gleiche Farbe haben.

  Abb. 1: Material (Druck, Rückenkarton, Klebefolie, Passepartout) sowie Werkzeuge (Schneidematte, Schneidelineal, Maßstab, Messer, Tuch oder Walze) für das Aufziehen von Bildern

Für das Aufziehen gibt es mehrere Techniken:

A. Aufziehen per Heißklebefolie. Dazu wird eine passend zugeschnittene spezielle Heißklebefolie zwischen Rückenkarton und Bild und das Ganze in eine Heißpresse gelegt. Diese wird nun erhitzt. Dabei schmilzt der Klebstoff auf beiden Seiten der Folie und verbindet das Bild mit der Folie und die Folie mit dem Karton. Nach dem Abkühlen ist der Vorgang beendet. Diese Me­thode ist recht elegant, setzt jedoch die relativ teure Heißpresse voraus. Auch können potenziell durch die Erhitzung die Farben im Druck Schaden nehmen bzw. etwas verblassen. Diese Technik wird der einfachen und schnellen Handhabung wegen von Profis und Rah­mungs­dienstleistern eingesetzt.

B. Man verwendet eine doppelseitig klebende Folie (eine Kaltklebefolie), mit der man Bild und Rückenkarton verbindet. Dies ist ein deutlich höherer manueller Aufwand; man braucht dafür aber neben den nachfolgend aufgeführten Werkzeugen kein weiteres spezielles Gerät.

C. Man verwendet einen Sprühkleber, den man auf auf die Rückseite des Bilds sprüht und das Bild dann auf den Rückenkarton platziert. Diese früher oft verwendete Technik, wenn auch als ›unprofessionell‹ betrachtet, wird heute wegen der Giftigkeit der Sprühkleber kaum noch eingesetzt.

Möchte man das Aufziehen selbst durchführen, so dürfte für die meisten Fotografen das Aufziehen von Bildern mit Kaltklebefolie der praktikabelste Weg sein. Solche beidseitig klebenden Folien erhält man in Rollen beispielsweise in Geschäften für den Künstlerbedarf (z. B. bei den Firmen Boesner oder Gerstaecker).

Abbildung 1 zeigt die Kom­ponenten und Werkzeuge für diese Arbeit. Benötigt werden neben dem Bild A, dem Hin­tergrundkarton B, der Klebefolie C sowie dem Passe­partout D als Werk­zeuge eine ausreichend ­große Schnei­de­matte E, ein stabiles, ausreichend langes Schnei­de­lineal F, ein Maßstab G, ein scharfes ­Messer H, ein weiches, sauberes Tuch I und eventuell eine Gummirolle J. Die Folie hat auf beiden Seiten ein Schutz­papier, das die Klebeflächen bedeckt. Die meisten dieser Folien zeigen auf dem Schutzpapier ein Raster, was das Ausrichten und Beschneiden vereinfacht.

Arbeiten Sie in einer sauberen Umgebung und auf einem ausreichend großen ebenen Tisch und auf einer ausreichend großen Schneidematte. Nachfolgend wird der Ablauf ausführlich beschrieben:

1. Zunächst schneidet man die Folie grob auf das Maß des Drucks (Bild mit Rand) zu – mit etwas Überstand (ca. 1 cm) auf allen Seiten.
2. Nun ritzt man das Schutzpapier der Folie auf der ­ersten Seite leicht an – etwa in der Mitte der vorgesehenen Klebefläche. Achten Sie dabei darauf, nur das Schutzpapier zu schneiden und die Folie darunter nicht zu verletzen.
3. Das noch unbeschnittene Bild liegt flach auf dem Tisch bzw. auf der Schneidematte mit der Bildseite nach unten. Jetzt zieht man die erste Hälfte der Schutzfolie von einer Ecke her vorsichtig ab …
4. … und setzt die freigelegte Klebeseite der Folie am unteren Rand der Druck­rückseite an, um nun die Folie mit dem Tuch (oder der Gum­mi­walze) auf die Bildrückseite (etwas überstehend) zu streichen oder walzen. Achten Sie darauf, dass die noch freie Klebefläche der Folie nicht weiter vorne auf das Papier fällt. Man streicht (oder walzt) dabei von der Mitte ausgehend nach vorne und dann nach außen (Abb. 2). Dies erfolgt, bis man fast die geschnittene Trennlinie erreicht hat.

Abb. 2: Die Folie wird Stück für Stück auf die Rückseite des Drucks mit einem Tuch aufgestrichen/aufgerieben.

5. Nun zieht man die restliche Schutzfolie vorsichtig zum oberen Rand hin ab, hält die Folie am klebenden Ende noch hoch und streicht wie zuvor die Folie mit dem Tuch oder der Walze auf die Rückseite des Drucks. Achten Sie darauf, Luftblasen zu vermeiden bzw. sie gleich zur Seite hin ›herauszustreichen‹. Eine weitere Person, welche die Schutzfolie dabei vorsichtig vor der Walze abzieht und noch hoch hält, ist hilfreich.
6. Fahren Sie mit dem Tuch oder der Walze zum Schluss nochmals über die Ränder, um dort einen schlüssigen ›Verbund‹ sicherzustellen.
7. Ist die Folie komplett aufgetragen, wird das Bild mit der Klebefolie auf dem Rücken umgedreht und beschnitten (Abb. 3) – bündig zum Bild­rand. Bei der Klebefolie auf der Rück­seite ist die zweite Schutzfolie auf der zweiten Seite noch vorhanden.

Abb. 3: Ist die Folie auf der Rückseite des Drucks aufgetragen, wird das Bild bündig beschnitten.

8. Für die Montage des Bilds auf den Rückenkarton ­legen Sie das Passe­partout über das Bild und richten ihn mit dem Karton aus. Danach richten Sie das Bild im Ausschnitt aus und markieren die genaue Position mit einem weichem Bleistift auf dem Rückenkarton (Aufsetzkante und Ecke bzw. Seite reichen, Abb. 4). Das Passepartout wird danach wieder entfernt.

Abb. 4: Markieren Sie auf dem Karton die Bildecke.

9. Jetzt ritzt man das zweite Schutzpapier der Folie wieder etwa in der Mitte ein, um die Folienhälfte abziehen zu können (zieht sie aber noch nicht ab) – zuvor muss man es noch ausrichten.
12. Nun richten Sie das Bild auf dem Rückenkarton an den Bleistiftlinien genau aus und halten es an der entgegengesetzten Kante fest.
11. Jetzt ziehen Sie die Schutzfolienhälfte der zweiten Seite von der Mitte her ab (halten Sie dabei das entsprechende Folienende hoch) und streichen Ihre Bild-Folien-Kombination von der Mitte aus zu einem Ende hin auf den Karton. Dies erfolgt wie zuvor beschrieben von der Mitte ausgehend und dann nach links und rechts streichend. Wieder ist eine zusätzliche Hand nützlich, welche die Klebe­folie an einem Ende hochhält und allmählich ablässt, wenn der ›Auftrag‹ voranschreitet.
12.
Danach wird von der (verbleibenden) Mitte ausgehend die letzte Fo­lien­hälfte abgezogen und das freie Ende dabei wieder hochgehalten, um erneut von der Mitte ausgehend den verbleibenden Teil aufzustreichen oder aufzuwalzen.
13. Ergeben sich kleine Luftblasen, so lassen sich diese oft noch wegwalzen/herausstreichen. Sind sie zu groß, kann man versu­chen, mit einer Nadel in der Mitte einen kleinen Stich auszuführen, so dass sich die eingeschlossene Luft dort her­aus­pressen lässt.
14. Zum Schluss fährt man nochmals mit dem Tuch oder der Walze an den vier Kanten entlang, um sicherzustellen, dass diese sauber und fest haften.
15. Bei Bedarf werden danach vorsichtig mit einem sauberen Radiergummi die eventuell noch sichtbaren Bleistift­hilfs­linien wegradiert, die man für das genaue Positionieren und Ausrichten angelegt hat …
16. … und schließlich wird das Passepartout lose aufge­legt und der Sitz überprüft, wie in den Abbildungen 4 und 5 zu sehen.
17. Zum Abschluss kann die Kombination aus Rückenkarton mit aufgezogenem Bild und dem Passepartout in den Bild­rahmen mon­­tiert werden – bei Bedarf mit vorgesetztem Glas.

Abb. 5: Jetzt legt man den Rückenkarton mit dem aufgezogenen Bild nochmals unter das Passepartout und prüft die Lage. Immer wenn man mit dem Druck selbst in Berührung kommt, empfiehlt es sich Baumwollhandschuhe zu tragen, um keine Schweißflecken zu hinterlassen.
Abb. 6: So etwa soll das Ergebnis aussehen: Bild auf Karton auf ­gezogen (passend zum Bildrahmen und zum passend ge schnit­tenen Passepartout), hier noch ohne den Bilderrahmen.

Das Ganze klingt kompliziert, ist es aber – hat man das Konzept einmal verstanden – nicht. Übung macht auch hier den Meister, selbst wenn dabei einmal ein Druck, die Folie oder ein Rücken­karton verloren geht.
Beim Arbeiten mit den Bildern sollte man, wie Abbildung 4 zeigt, Baumwollhandschuhe tragen, um Flecken auf den Bildern durch Fett/Schweiß der Hände zu vermeiden.

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5 Kommentare:
  1. Ich bin momentan dabei meine Wohnung umzugestalten. Neben Pflanzen sollen auch einige neue Bilder in die Wohnung, die ich selber aufziehen möchte. Der Aspekt die Luftblässchen wegzuwalzen macht mir mit am meisten Spaß. Allerdings ist es gut zu wissen, die besonders hartnäckigen auch aufzustechen.

  2. Mein Sohn begeistert sich seit Kurzem sehr für die Fotografie, deshalb mache ich mich über alles Mögliche dazu im Internet schlau. Es wird ihn sicher auch interessieren, wie man Bilder selbst aufzieht. Wie hier schon gesagt wird, sieht es auf den ersten Blick wirklich ein wenig kompliziert aus. Aber wenn er es erst einmal verstanden und oft genug geübt hat, wird er es sicher super auf die Reihe bekommen.

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