Sportfotografie: Die extreme Seite der Fotografie

26. Oktober 2015
von Steffen Körber
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Sportfotografie: Die extreme Seite der Fotografie

Auf viele Menschen wirken sowohl Sport als auch die Fotografie an sich schon anziehend. Kommt beides zusammen, eröffnet sich vor allem für sportbegeisterte Fotografen ein besonderes Betätigungsfeld. Doch es ist nicht einfach die Kombination von beidem, die die Sportfotografie zu etwas Besonderem macht. Sportfotografie unterscheidet sich von anderen Bereichen der Fotografie dahingehend, dass sie gleich in mehrfacher Hinsicht eine extreme Form darstellt.

Extreme Technik 

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Die Ausrüstung eines professionellen Sportfotografen besteht aus zwei bis fünf Kameragehäusen mit leistungsstarken Objektiven im Bereich von 10-600mm Brennweite

Da wäre zum einen die verwendete Technik. Ob fasziniert, fragend oder ungläubig: Blicke sind einem als Sportfotograf immer gewiss. Das ist auch nicht verwunderlich, denn wann trifft man im Alltag schonmal einen Fotografen, der gleich mehrere Kameras mit riesigen Objektiven um Hals und Schulter hängen hat? Tatsächlich verfügt ein professioneller Sportfotograf in der Regel über mindestens drei Kameras aus dem Profisegment. Zwei davon trägt er direkt „am Mann“ – je nach Präferenz ist eine davon mit einem Superteleobjektiv mit einer Brennweite zwischen 400-600mm bestückt, während auf der anderen das allseits beliebte Profi-Zoom 70-200mm f/2.8 angebracht ist. Das dritte Kameragehäuse mit einem Weitwinkel oder Fisheye-Objektiv ist oftmals nah am Geschehen aufgebaut (z.B. als Hintertor-Kamera) und wird über Funk ausgelöst. Von dieser Technik geht bereits eine gewisse Faszination aus. Was Lichtstärke, Freistellpotenzial und AF-Performance betrifft, ist die in der Sportfotografie verwendete Technik das non-plus-ultra. Leider spiegelt sich dies auch im Preis wider: Die Ausrüstung eines professionellen Sportfotografen hat den Wert eines Mittelklasse-PKWs.

Extreme Anforderungen

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Gerade beim Fußball sind die ersten Bilder schon wenige Minuten nach Anpfiff online verfügbar.

Ein professioneller Sportfotograf, der für eine der großen Agenturen arbeitet und die größten Sportveranstaltungen fotografiert, muss diese Technik natürlich auch beherrschen. Nicht nur gilt es für ihn, seine Kameras situationsgerecht einzustellen und zu benutzen – er muss die Ansammlung an Technik auch koordinieren und dabei noch den qualitativen und zeitlichen Anforderungen gerecht werden, die an ihn gestellt werden. Während man in den meisten Bereichen der Fotografie den Tendenzen unserer modernen Gesellschaft noch entfliehen und dem damit verbundenen Trend der „Entschleunigung“ folgen kann, steht die Sportfotografie nämlich ganz besonders im Zeichen des digitalen Zeitalters. Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, ein Elfmeter wird binnen Sekunden verwandelt. Im Sport gibt es immer bestimmte Zeitfenster, die einem Fotografen offenstehen, um die Bilder zu machen, die er braucht. Verpasst er den Moment, geht er leer aus. Allein daraus ergibt sich schon ein gewisser Druck.

Es ist mittlerweile aber nicht nur möglich geworden, unter nahezu allen Bedingungen technisch einwandfreie Bilder in einer unvorstellbaren Masse zu generieren – diese Bilder können nun auch innerhalb weniger Sekunden verarbeitet und an Medien weitergeleitet werden, die diese umgehend ihren Lesern präsentieren. Dadurch entsteht noch mehr Druck für den Fotografen, der durch große Konkurrenz und die wirtschaftliche Situation vieler Printmedien noch weiter verstärkt wird. Der Sportfotograf muss – während er weiter mit drei Kameras fotografiert und allumfassend das Geschehen im Blick hat – erste aussagekräftige Bilder vor Ort am Laptop verschlagworten, rudimentär bearbeiten und in eine Datenbank hochladen, damit die Bilder von der Agentur an die Presse weitergeleitet werden. So wird es möglich, dass Fotos einer Bundesliga-Partie, die gerade erst fünf Minuten läuft, schon in einschlägigen Online-Magazinen zu sehen sind.

Extreme Bedingungen

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Motorsport bietet eine Menge Action, aber mitunter auch Gefahren für Fotograf und Ausrüstung

So vielfältig einzelne Sportarten sind, so vielfältig sind auch die Austragungsorte und die damit einhergehenden Bedingungen. Beim Motocross beispielsweise ist man als Fotograf recht nah an der Rennstrecke. Abgesehen von der Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, bewegt man sich recht mühsam durch das unbefestigte Gelände und setzt die schwere und unhandliche Ausrüstung Staub und herumgeschleuderten Steinen aus. Es geht zwar nicht in jeder Sportart so extrem zu – ohne Anstrengung, Mühe und ein gewisses Risiko geht es in der Sportfotografie jedoch nicht. Auch ist man bei Veranstaltungen im Freien immer Witterungen ausgesetzt und hautnah an der Action. Es kommt daher auch vor, dass man im strömenden Regen oder bei unmenschlichen Temperaturen fotografieren muss. Mitunter wird man als Sportfotograf auch mal „Spielgeräten“ aller Art getroffen oder von übereifrigen Sportlern umgerannt. Teilweise kann die Arbeit als Sportfotograf also wirklich unangenehm sein. In jedem Fall aber ist sie aufregend und abwechslungsreich.

Der besondere Reiz

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Die Leistung einer gesamten Saison in einem Bild festgehalten

Die kompromisslose Technik der Sportfotografie mag dem ein oder anderen imponieren, die hohen Anforderungen und teilweise widrigen Bedingungen ihn entweder abschrecken oder anspornen – der Reiz der Sportfotografie ist damit aber noch nicht voll umrissen.

Von außen betrachtet vermutet man den Reiz vielleicht im Erlebnis, ganz nah am Geschehen zu sein. Was andere nur von den TV-Geräten kennen oder auf der Tribüne beobachten, kann man als Sportfotograf förmlich spüren. Man bewegt sich wenige Meter von weltbekannten Sportlern und kommt hin und wieder sogar mit ihnen ins Gespräch. Das mag anfänglich noch aufregend sein, mit der Zeit wird es mehr und mehr zur Routine.

Ebenso verhält es sich mit spektakulären Sportarten und actionreichen Szenen, die man als Sportfotograf immer wieder vor die Linse bekommt. Sie werden schnell zur Gewohnheit und gehen in der Masse der Bilder allzu oft einfach unter. Henri Cartier-Bresson bekanntes Zitat: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“ mag in einem Bereich, in dem pro Sekunde bis zu 12 und pro Veranstaltung mehrere Tausend Bilder auf die Speicherkarte geschrieben werden, mehr denn je zutreffen. Wichtig ist es daher, sich stetig zu verbessern und sich als Sportfotograf in seiner Arbeitsweise immer neu zu definieren. Sei es, seinen Blick zu weiten, neue Perspektiven auszuprobieren oder das Bestreben zu haben, besondere Momente zu antizipieren. Nur so bleibt Sportfotografie eine persönliche Herausforderung und nur so kann man sich in diesem Bereich dauerhaft behaupten. Auch wenn es 90% der alltäglichen Arbeit eines Sportfotografen ausmacht: Der Reiz liegt nicht darin, die Sportler nur in der Ausübung ihrer Sportart in typischer Weise abzulichten. Vielmehr ist es die Jagd nach Motiven, die anders sind, und die Jagd nach Motiven, die eine Geschichte erzählen.

Der Beitrag stammt aus dem Fotoespresso 04-2015

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