Lightroom CC und Lightroom Classic CC – eine persönliche Betrachtung

23. Oktober 2017
von Jürgen Gulbins
15 Kommentare

Lightroom CC und Lightroom Classic CC – eine persönliche Betrachtung

Eines der neuen Gesichter von Lightroom 2018

 

Ich möchte diesen Artikel damit beginnen, dass ich einige Fakten sowie meine persönliche Meinung und Einschätzung wiedergebe – nicht die der fotoespresso-Redaktion oder die des dpunkt.verlags.

Lightroom 6 und das bisherige Lightroom CC, zuletzt mit der Versionsbezeichnung 6.12 und CC 2015.12, sind im Kern relativ alt, wie die Komponente ›2015‹ verrät. Viele Fotografen warteten deshalb gespannt auf das nächste größere Update/Upgrade, von dem Adobe bisher sehr wenig verriet, sieht man einmal von dem ›offiziellen Statement‹ ab, dass die nächste Version deutlich performanter werden soll.

Am 18. Oktober zu Beginn der Adobe-Veranstaltung Adobe Max-2017 kam dann die Ankündigung sowie die sofortige Verfügbarkeit der neuen Komponenten. Das, was bisher als Gerücht zu ›Lightroom 7‹ im Netz kursierte, erweist sich nun als ›neue Lightroom-Versionen‹, bestehend aus einer ganzen Anzahl von Modu­len, deren Bezeichnung – ein Halleluja an Adobes Marketing – zunächst einige Verwirrung hervorrufen dürfte. Da sind neu:

  • Lightroom Classic CC (nur noch im Abo),
  • Lightroom CC (in 4 Inkarnationen) im Abo,
  • Lightroom Web (als Teil eines der Abos)
  • sowie entsprechende Abo-Modelle.

Entgegen dem explizit 2013 von Mark Holbert, dem damaligen Entwicklungsleiter für Lightroom bei Adobe, gemachten und veröffentlichten Versprechen, dass es die Kaufversion von Lightroom noch sehr lange Zeit geben wird (eigentlich auf Dauer), wird es die Kaufversion von Lightroom nicht mehr geben. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es Lightroom 6 (die Kaufversion) bis Ende 2017. Sie wird, soweit ich sehen kann, noch ein letztes Update bekommen, in dem die aktuellen neuen Kameras unterstützt werden (z.B. die Nikon D850, die Sony RX10 IX, die Olympus OMD E-M10 Mark III, die Canon EOS M100, die Fuji X-E3) sowie eine ganze Reihe von neuen Objektivprofilen (etwa einige neue Sigma-Objektive).

Das Schicksal von Lightroom 6

Danach ist Schluss! Es wird keine Updates mehr geben – weder was Fehlerbehebungen betrifft noch was die Unterstützung neuer Kameras betrifft. Man wird sicher noch einige Lightroom-6-Pakete kaufen können, die aktuell im Lager von Händlern liegen. Updates werden aber nicht mehr erfolgen.

Sie können Ihre LR-6.x-Version natürlich weiterhin nutzen, bis Sie auf ein Betriebssystem umstellen, auf dem sie nicht mehr läuft. Die dann zu erwartenden Kompatibilitätsprobleme dürften unter Windows wesentlich geringer sein als unter macOS, da Apple aktuell im Update-Rausch jährlich unerbittlich neue Betriebssystem-Versionen herausbringt, mit wirklich gravierenden Kompatibilitätsproblemen hinsichtlich äl­terer Programme. In die Klemme kommen Sie damit, wenn Sie sich einen neueren Rechner zulegen, der mit einem neueren Betriebssystem geliefert wird, oder wenn Sie sich eine neue Kamera zulegen. Der etwas umständliche Umweg über den (bis heute) kostenlosen DNG-Konverter bleibt Ihnen aber weiterhin erhalten (einen Artikel dazu werden Sie in fotoespresso 6-2017 finden).

Ihre Alternativen

Es gibt für Sie natürlich eine Reihe von Möglichkeiten:

A   Sie setzen, wenn Sie bisher das CC-Abo-Modell haben, dieses einfach fort und erhalten darin die später beschriebenen Funktionen. Das Abo-Modell nennt sich ›Creative Cloud Foto-Abo‹.

B    Sie wechseln zu einem Abo-Modell (wie später beschrieben).

C    Sie wechseln zu einer anderen Anwendung – außer­halb der Adobe-Hemisphäre. Wir werden einige da­von in den 2018er-Ausgaben von fotoespresso beschreiben.

Creative Cloud Foto-Abo

Dies ist der neue Name für das Abo-Modell der Light­room-Desktop-Versionen für Windows und macOS. Die Kosten bleiben vorläufig bei 12 × 11,89 € monatlich bei einem Jahresabonnement (Summe: 142,68 €/Jahr). Dafür erhalten Sie im Abo:

  • Lightroom Classic CC 2018 für Windows und macOS
  • Photoshop CC 2018 (Win + macOS) + Camera Raw
  • Lightroom CC (mehr dazu später)
  • Lightroom Spark (mehr dazu in einer späteren foto­espresso-Ausgabe)
  • Updates zu obigen Modulen im Abo-Zeitraum
  • 20 GB Cloud-Speicher in der Adobe Cloud

Für den Abschluss des Abos sowie für den Download der Komponenten ist wie bisher ein Online-Zugriff erforderlich, ebenso für die erste Registrierung. Danach ist minimal alle 90 Tage ein Online-Zugriff notwendig, um die Gültigkeit der Lizenz (des Abos) zu überprüfen.

Weiterhin benötigen Sie einen Online-Zugriff, wenn Sie Bilder in die Cloud oder aus der Cloud synchronisieren möchten. Dies gilt ebenso, wenn Sie Lightroom CC (die Cloud-Version) nutzen möchten. Ansonsten können Sie vollständig offline arbeiten.

Lightroom-CC-Abo

Lightroom CC ist der neue Name für eine (fast) neue Lightroom-Version. Es gibt sie in vier funktional weitgehend identischen Inkarnationen:

  • Lightroom CC für Windows
  • Lightroom CC für macOS
  • Lightroom CC für Android
  • Lightroom CC für iOS

Es handelt sich dabei um ein Lightroom mit neuer Ober­fläche, die nach Adobe-Angaben gegenüber der Classic-Version deutlich vereinfacht ist und keine unterschiedlichen Module (wie Bibliothek, Ent­wickeln, …) mehr hat. Sie speichert im Standard­fall die Bilder in der Adobe Cloud, und zwar auch Raws und dies in vollem Umfang. Zur Bearbeitung werden sie temporär auf das lokale System geladen (genauer: die Smart-Vorschaudateien dieser Bilddateien) und anschließend automatisch zurück in die Cloud synchronisiert. Sie stehen damit auf allen Geräten und Plattformen zur Verfügung, auf denen Lightroom CC läuft. Es ist dafür keine lokale Datenbank (der klassische Lightroom-Katalog) mehr erforderlich. Das Lightroom-CC-Abo umfasst:

  • Lightroom CC für Windows, macOS, Android, iOS
  • 1 TB Cloud-Speicher, der optional (gegen Zusatzkosten) auf 10 TB vergrößert werden kann.

Die Kosten liegen bei  12 × 11,89 € monatlich bei einem Jahresabonnement (Summe: 142,68 €/Jahr). Es gibt aber Abo-Modelle, die auch 2 TB, 5 TB sowie 10 TB Cloud-Speicher umfassen. Die Kosten liegen momentan bei 11,89 Euro pro Terabyte und Monat. Zudem gibt es ein Abo-Modell mit 100 GB Cloud-Speicher für 5,95 Euro/Monat, in dem jedoch lediglich die Android- und iOS-Version von Lightroom CC enthalten ist.

Diese CC-Versionen können (nach meinem Verständ­nis) auf beliebig vielen Rechnern und den vier angeführten Plattformen eingesetzt werden. Für jeden Einsatz ist eine Online-Anmeldung sowie (in der Regel) ein ausreichend schneller Online-Zugriff erforderlich, um Bilder und Smart-Vorschaudateien aus der Cloud und in die Cloud zu synchronisieren.

Im Gegensatz zu den Lightroom-Classic-Versionen wird nur ein begrenzter lokaler Speicher benötigt. Im Standardfall speichert Lightroom CC die Bilder vollständig in der Cloud.

Der Vorteil der CC-Version besteht darin, dass praktisch von überall und von mehreren Plattformen aus auf die Bilder (in der Cloud) zugegriffen werden kann – eine ausreichend schnelle Verbindung vorausgesetzt. Damit wird es auch sehr einfach, anderen Parteien Zugriff auf ein oder mehrere Bilder zu geben. Diesen wird dabei nicht das Bild selbst zugeschickt, sondern lediglich ein Verweis darauf. Dies vereinfacht Teamarbeit und Kooperationen.

Auch die Bedienung bzw. die Oberfläche ist – so Adobe – einfacher. Allerdings bietet CC Version 1.0 bisher nicht den Funktionsumfang, den Lightroom 6 oder Lightroom Classic bietet. Es fehlen praktisch alle Ausgabemodule. Für die Web-Ausgabe gibt es aber Lösungen. Den Funktionsumfang von CC Version 1.0 werden wir in fotoespresso 1/2018 beschreiben.

Die CC-Version hat zusätzlich den Vorteil, dass sich der Anwender nicht um den Bildspeicher, die Bildablage sowie die Datensicherung kümmern muss. All dies übernimmt der Service bzw. Adobe. Gewährleistungen dafür hinsichtlich Verfügbarkeitsgarantie, Sicherheit und Entschädigung gegen Verlust habe ich bisher noch nicht gefunden.

Es gibt auch Funktionen, die in der Classic-Version nicht verfügbar sind. So erlaubt die Sensei-Technik, die Bilder automatisch zu verschlagworten – mit Hilfe von KI-Techniken (Künstliche Intelligenz).

Kombinations-Abo

Adobe bietet auch ein Kombinationsabonnement zu  12 × 23,89 € monatlich (bei Abschluss eines Jahresabonnements; Summe: 286,48 €/Jahr). Besitzer eines aktuellen CC-Abos erhalten eine Sonderkondition von etwa 245 Euro im ersten Jahr.

Voraussetzungen

Während Windows-Anwender mit halbwegs aktueller Windows-Version (ab Windows 7) wenig Probleme haben dürften, ist die Situation unter macOS (oder Mac OS) für manchen Anwender weniger erfreulich. Hier die Voraussetzungen für die verschiedenen Anwendungen/Apps:

Lightroom Classic CC

  • Windows 7 (mit Service Pack 1), Windows 8.1, Windows 10 (mit Service-Pack) (alle 64 Bit)
  • Mac OS 10.11, 10.12, 10.13

Lightroom CC

  • Windows 7, 8.1, 10 (alle 64 Bit)
  • Mac OS 10.11, 10.12, 10.13
  • Android ab 4.3
  • iOS ab Version 10

Photoshop CC 2018

  • Windows 7, 8.1, 10 (alle 64 Bit)
  • Mac OS 10.10, 10.11, 10.12, 10.13

Neuerungen in Lightroom Classic CC

Ich möchte hier nur einen vorläufigen kurzen Überblick zu den Neuerungen in der Classic-Version geben. Ein ausführlicher Artikel wird dann 2018 folgen.

Zunächst hat Adobe begonnen, die Performance zu verbessern – in Teilen. Die Kataloge werden nach der Umwandlung in das Classic-2018-Format etwas kleiner (oder deutlich kleiner) und lassen sich so schneller öffnen. Lightroom 6, LR CC 2015.12, das neue LR Classic und das neue LR CC können parallel installiert sein.

Das Update/Upgrade

Haben Sie aktuell bereits ein Lightroom-Abo, so wird Ihnen das Update automatisch angeboten, wenn Sie (etwa über Hilfe > Aktualisierungen) in den Creative-Cloud-Manager gehen. Dort finden Sie dann gleich mehrere Updates:

  • Lightroom Classic CC (die neuen Desktop-Versionen)
  • Lightroom CC (die neuen CC-Desktop-Versionen)
  • Photoshop CC 2018
  • Camera Raw

Dort werden Ihnen aber nur dann die entsprechenden Updates angeboten, wenn diese mit Ihrem aktuellen Betriebssystem kompatibel sind. Sie müssen also, um in den ›neuen Genuss‹ zu kommen, eventuell zuvor Ihr System aktualisieren (ich höre viele Mac-Benutzer deutlich fluchen).

Beim Update von Lightroom Classic CC ­empfehle ich die erweiterten Optionen auszuklappen und darin die Option Frühere Versionen entfernen zu deaktivieren (siehe Abb. 2). So bleibt Ihre bisherige Lightroom-Version (was immer dies ist) erhalten. Ansonsten löscht die Installation Ihre alte Lightroom-Version.

Klappen Sie ›Erweiterte Optionen‹ vor dem Update aus und deaktivieren Sie die Option ›Frühere Versionen entfernen‹.

Die Katalog-Umwandlung

Wie bei größeren Release-Wechsel üblich ist eine Umwandlung der Kataloge in das neue Katalogformat erforderlich, was automatisch erfolgen kann. Dazu öffnet man einfach den alten Katalog mit der CC-Version. Es empfiehlt sich aber dringend, zuvor im ›alten Light­room‹ eine Katalogsicherung vorzunehmen sowie zusätzlich eine Kopie des alten Katalogordners an eine andere Stelle zu legen! Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ich empfehle dies zu tun, bevor man das Update überhaupt installiert.

Beim Öffnen eines alten Katalogs bietet Lightroom Classic CC an, diesen automatisch in das neue Katalogformat zu konvertieren.

Startet man nun Lightroom Classic CC, so öffnet es (im Standardfall) automatisch den in der vorhergehenden LR-Version zuletzt geöffneten Katalog und konver­tiert ihn – nach Rückfrage (siehe Abb. 3) – in  das neue Format, erstellt dabei aber eine Kopie. Nach abgeschlossener Umwandlung hat der ›neue‹ Katalog den Namen des alten Katalogs mit angehängtem ›-2‹.

Alternativ kann man in Classic CC über Datei > Ka­ta­log öffnen auch einen alten Katalog explizit öffnen. Auch dieser wird dann nach Rückmeldung und Bestätigung automatisch in eine neue Kopie umgewandelt.

Danach verhält sich Lightroom zunächst wie gewohnt und bekannt und zeigt den alten Katalogstand in neuer Version, ohne dass ein Unterschied groß sichtbar wird, da selbst der Katalogname beibehalten wird.

Neben wirklich funktionalen Verbesserungen findet man unter den Light­room-Voreinstellungen und Katalogeinstellungen einige zusätzliche Einstellungen (mehr dazu in fotoespresso 6/2017).

Die Umwandlung kann bei einem größeren Katalog einige Zeit in Anspruch nehmen – manche sprechen von wirklich langer Zeit. Der Grund liegt neben dem Umbau der Datenbankstruktur darin, dass Daten komprimiert werden müssen (etwa das Protokoll zu den Korrekturen eines Bilds).

Neuerungen in der Übersicht

Was erwartet einen in der Classic-Version nach dem Update? Aus meiner Sicht weniger, als sich viele erhofft haben:

  • Performance-Verbesserungen (leider nur den Anfang der ›versprochenen‹ Verbesserungen). Hierzu gehören:
  1. Eine bessere Unterstützung der GPUs einiger Grafikkarten für einen schnelleren Bildaufbau. Der Bereichsreparaturpinsel agiert nun etwas performanter.
  2. Bestimmte Informationselemente im Katalog werden komprimiert abgelegt – etwa die Korrektureinstellungen sowie das Bearbeitungsprotokoll. Dadurch wird der Katalog etwas kleiner und das Öffnen eines Katalogs etwas schneller.
  3. Beim Import sind nutzbare Vorschauen schneller verfügbar, da dafür die von der Kamera eingebettete Vorschau verwendet wird, bis Lightroom eigene Vorschauen aufgebaut hat.
  4. Performance-Verbesserungen beim Import – sofern Sie einen Rechner mit vier oder mehr Kernen (auch virtuelle Kerne) haben.
  • Farb- und Luminanzmasken bei lokalen Korrekturen (eine wirklich funktionale Erweiterung)
  • Einige Verbesserungen bei Masken. Sie sind nun glatter und runder, etwa beim Radialfilter.
  • Eine neue Prozess-Version 4 (zu finden im Classic-Panel Kamerakalibrierung) und eine Umbenennung der älteren Versionen.
  • Smart-Sammlungen erlauben nun einige Auswahlkriterien mehr – etwa Objektivkorrekturen und Chromatische Aberration entfernen.
  • Der Synchronisationsprozess zum Synchronisieren von Bildern in und von der Adobe Cloud hält nun automatisch bei einigen Operationen an – etwa beim Import von Bildern –, um ein performanteres Arbeiten zu erlauben.
  • Es werden die Raw-Formate einiger neuerer Kameramodelle unterstützt (wie zu Beginn bereits aufgeführt).
  • Es werden zahlreiche neue Objektive in den auto­matischen Objektivkorrekturen unterstützt, (mit dem Schwerpunkt auf mobilen Geräten wie etwa den verschiedenen iPads und iPhones von Apple, darüber hinaus einige neue Sigma- und Tamron-Objektive).

Meine persönliche Bewertung

Ich hatte es befürchtet, aber anders gehofft: Die Kaufversion ist gestorben – trotz anderslautender früherer Zusagen. Das Adobe-Argument lautet, dass sich so viele Anwender für die Mietlizenz entschieden hätten, dass die Kauflizenz keinen Sinn mehr ergebe. Meiner Erfahrung nach gehörten viele deutsche Anwender nicht dazu. Auch sei die Nachfrage nach dem Online-Zugriff so groß geworden, dass man die Lösungen mit den CC-Versionen geschaffen hat (dort ist eine Kauf-Lizenz des benötigten Cloud-Speichers wegen kaum sinnvoll).

Als Mac-Anwender, der auf seiner Workstation noch immer die sehr stabile Mac-OS-Version 10.9.5 fährt, bin ich von der Systemvoraussetzung für die neuen Versionen frustiert. Bei einem Wechsel auf neuere Versionen werden einige meiner wichtigen anderen Anwendungen nicht mehr laufen. Ein Update ist also mit erheblichen Lizenzkosten verbunden – ohne einen funktionalen Gewinn. Apples unsinniger jährlicher Versionswechsel ist hierfür verantwortlich und der Umstand, dass Mac OS (oder mac­OS) dabei in vielen Bereichen – im Gegensatz zu Microsoft-Windows – ohne nennenswerten Funktionsgewinn mit der Rückwärtskompatibiltät bricht. Dies treibt mich mittelfristig zu Windows.

Mein persönlicher Ratschlag

Haben Sie noch Lightroom 4 oder 5 und möchten – zu­mindest vorübergehend – bei Lightroom bleiben, so empfehle ich Ihnen, ein Update auf Lightroom 6 zu kau­fen, solange es noch verfügbar ist (bis Ende 2017). Es scheint zwar auch (noch) ein reines Update zu geben (dies lag in der Vergangenheit bei etwa 75 Euro), ich konnte dieses jedoch trotz einiger Suche nicht mehr im Netz oder bei Amazon finden. Deshalb bleibt dann der Kauf einer Lightroom-6-Vollversion, die im Netz (nicht auf der Adobe-Seite) für etwa 112 Euro (inkl. MwSt.) zu finden ist – etwa hier:
https://www.amazon.de/Adobe-Photoshop-Lightroom-deutsch-Windows/dp/B00W7QJF56/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1508670673&sr=8-1&keywords=Lightroom+6

Lightroom 6 hat gegenüber den Vorgängern eine ganze Reihe schöner, funktionaler Verbesserungen und unterstützt auch (zusammen mit dem letzten Update) die neuen Kameras (bis etwa zum Stand von Oktober 2017). Lightroom 6 läuft auch auf etwas älteren Betriebssystemversionen – bei Windows aber mindestens Windows 7 mit Service-Pack.

Haben Sie hingegen bereits ein CC-Abonnement, so fahren Sie wie gewohnt damit fort, sofern die neuen Lightroom-Versionen auf Ihrem aktuellen Betriebssystem laufen oder Sie mit einem Betriebssystem-Update leben können.

Prognose

Prognosen sind gefährlich. Ich möchte trotzdem eine wagen:

  • Die Preise sind dieses Mal für das Foto-Abo noch stabil geblieben, für das umfassendere All-Apps-Cloud-Abo aber gestiegen (um ca. 10 %). Adobe wollte den Foto-Anwendern wohl nicht zu viel auf einmal zumuten. Ich gehe aber davon aus, dass auch das Foto-Abo mittelfristig teurer werden wird. Sein Preis ist immerhin seit 2013 stabil geblieben, und es kann sich (meines Wissens) nur nach Ablauf des jeweiligen Jahresabonnements verteuern.
  • Die Entwicklung der CC-Versionen muss man abwarten. Während sich Adobe bei den Desktop-/Classic-Versionen auf Verbesserungen der Editier­funktionalität fokussieren möchte, ist bei den Cloud-Versionen noch viel Luft nach oben. Es gibt auch noch kleinere Unterschiede auf den verschiedenen Plattformen der Cloud-Versionen. Und diese setzen sehr performante Netzverbindungen voraus, die ich zumindest in dem etwas nachhinkenden Deutschland nur recht allmählich sehe.
  • Adobe versucht in dem Hype des Cloud-Marktes eine größere Rolle zu spielen. Die Technik dafür steht bei entsprechenden Investitionen sicher zur Verfügung. Offen bleiben für mich dabei die Fragen nach der Verfügbarkeit, der Performance sowie der Datensicherheit und Vertraulichkeit – sowohl bei der Übertragung als auch der Speicherung.
  • Die Cloud-Technik erlaubt einige Funktionen, die auf lokalen Rechnern schwieriger sind. So bietet die CC-Lösung etwa die Möglichkeit, eine automatische Verschlagwortung der Bilder mit Hilfe von KI-Techniken durchzuführen. In Lightroom CC 2018 ist dies beispielsweise die Adobe-Sensei-Engine. Hat man seine Bilder erst einmal (zumindest weit­gehend) in der Adobe Cloud gespeichert, so hat sich Adobe damit neben den reinen Lizenzgebühren eine zusätzliche gute Einnahmenquelle gesichert – die der Speichervermietung,  und dies auf lange Zeit. Beendet man das Cloud-Abo, so hat man (meines Wissens) drei Monate Zeit, um die Daten aus der Cloud auf lokalen Speicher zu sichern.
  • Die Cloud-Lösung befreit den Anwender in einem bestimmten Umfang von Investitionen für lokalen Speicher, und sie befreit ihn von der für viele lästigen (und daher oft nicht durchgeführten) Datensicherung. Es entstehen aber – neben den Kosten für eine performante Online-Anbindung – auch zunehmende Kosten für die Cloud-Speicher-Miete. Es ergeben sich zusätzlich einige rechtliche Fragen, etwa ›Wer erbt was?‹, zur Haftung bei Datenverlust und Verlust der Vertraulichkeit sowie bei längeren Ausfällen.

Mehr und ausführlicher werde ich über Lightroom Classic und Lightroom CC in fotoespresso 6/2017 berichten.

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15 Kommentare:
  1. Ein ausgezeichnetes Resumé, das die wichtigsten Aspekte auf den Punkt bringt. Das Geschäftsgebaren von Adobe macht glasklar deutlich, dass der Anbieter von Lightroom und Photoshop seine Kunden in eine unerträgliche Abhängigkeit treiben will. Denn diese Prognose ist wohl nicht sehr gewagt: In nicht sehr ferner Zeit wird es auch die Desktop-Version «Lightroom Classic» (und später wohl auch das heutige «Photoshop Classic») nicht mehr geben. Die Anwender werden in die Cloud gedrängt, wofür sie zwingend Speicherplatz mieten müssen, sodass die Dollars üppig fliessen mögen. Ein geschickter Marketing-Trick von Adobe – nur leider: disgusting! Der Ruf nach Alternativen muss nun vehementer ertönen. Allerdings scheint dieses Virus allmählich die gesamte Software-Branche zu infizieren.

  2. Vielen Dank für diesen gut verständlichen und aktuell sehr schnellen Artikel. Ich habe mich mit dem Cloud Update etwas überfallen und auch von Adobe etwas allein gelassen gefühlt. Das 1 Tag vorher gesandte Mail in deutscher Sprache war so allgemein und schwer zu gebrauchen.

  3. „Die Cloud-Lösung befreit den Anwender in einem bestimmten Umfang von Investitionen für lokalen Speicher, und sie befreit ihn von der für viele lästigen (und daher oft nicht durchgeführten) Datensicherung.“
    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel aber wer verzichtet denn bei der Sicherung in der Cloud auf ein lokales Backup? Jede noch so kulante Schadensersatz-Regelung, die es bei Adobe sowieso nicht geben wird, bringt einem die eigenen bzw. Auftragsarbeiten wieder. Ich begrüße die heute mögliche Sicherung in der Cloud sehr, aber nur als Ersatz für das wirklich sehr lästige ausgelagerte lokale Backup. Ein Adobe Produkt nutze ich dafür aber nicht und werde es in Zukunft, aufgrund der Unzuverlässigkeit der Aussagen dieser Firma, auch in Zukunft nicht tun.

  4. Was mich als Software-Entwickler beim bisherigen LR 6/LR CC und bei den neuen Varianten LR CC/LR Classic CC am meisten ärgert: es gibt von der Technik her KEINEN Grund, folgende Dinge in EINEM Paket/Angebot/Programm zwingend zu kombinieren: Bildverarbeitung, entfernte Speicherung („Cloud“), Abonnement.

    Selbstverständlich ist es EINFACH möglich, das gleiche Programm ohne technischen Aufwand mit einer Einmalzahlung/Lizenzierung per Schlüssel ODER einem Abo-Modell zu versehen. EINE Komponente des Programms ist für die Lizenzierung zuständig, alles andere bleibt gleich.

    Selbstverständlich ist es relativ EINFACH, die Datenablage (lokal auf dem PC oder entfernt in der Cloud) von der sonstigen Bildverarbeitung zu trennen. Wiederum kann EINE Komponente für das Lesen und Schreiben von Bildern, Katalogen, Voransichten, Einstellungen zuständig sein.

    Statt dem heutigen Angebot hätte Adobe dies liefern können:

    – EIN Programm für alle Plattformen anbieten, das die HEUTIGE Funktionalität von LR 6/7 bietet. UND performant ist.

    – Ein Programm, das erlaubt, lokal oder entfernt wie bisher zu speichern (Bilder, Katalog, Voransichten, Einstellungen). Entfernt entweder in der Adobe Cloud oder bei Dropbox, Google Drive, OneDrive, HiDrive oder anderswo.

    – Und als zusätzliche Option erlaubt, eine entferne DB/Katalog mit konkurrierendem Zugriff zu nutzen.

    – Dann könnten EINFACH mehrere Personen parallel an gleichen Verzeichnissen/Sammlungen arbeiten. Gleichzeitiges Arbeiten an einem Bild wäre denkbar, aber schwer zu implementieren.

    – Als unabhängige Optionen anzubieten: das PROGRAMM zu kaufen/abonnieren, Speicher zu abonnieren (bei Adobe, Google, MS, Dropbox, Strato etc), entfernte Datenbanken/Katalogen zu abonnieren (verwaltet von und bei Adobe)

    – Und viele weitere Optionen/Alternativen sind technisch/wirtschaftlich denkbar.

    Stattdessen zielt das derzeitige Angebot darauf hin, die bisherige eher kleinere Zielgruppe („Professionals“ und „Ambitionierte“) zu vernachlässigen und sich dem riesigen Multi-Millionen-Nutzer-Markt der „Consumer“ (Handy-Fotografen ohne großen Ansprüche) zuzuwenden.

  5. Kurzfristig ist das neue Adobe-Cloud-Modell für mich keine Lösung. U.a. weil ich nicht mittels unterschiedlicher Plattformen (Kalibrierung) meine Bilder bearbeiten möchte. Zudem würde ich auch immer noch eine zusätzliche Sicherung der Bilder auf einem weiteren externen Speicher (Cloud-Anbieter/Festplatte) machen wollen.

    Das Upgrade auf Lightroom 6 kann man noch bei Adobe kaufen. Siehe https://www.cremerseele.de/adobe-lightroom-6-upgrade-niemand-soll-es-finden/ . Die Upgrade-Lizenz kostet 73,78 €.

  6. ich werde auch bei intensiver Nutzung niemals ein Abo abschließen und Monat für Monat Jahrelang bezahlen.
    Wenn es technisch keine alternative mehr gibt als umzusteigen, dann adios ADOBE !
    Ich bin mir sehr sicher das viele so denken und dann werden sich andere Möglichkeiten auftun.
    Ich habe Lightroom seit der ersten Version genutzt, aber auch den Markt beobachtet und solange die Nutzer treu sind, lohnt es sich für niemanden parallel zu entwickeln. Aber s.o.

  7. Es bleibt jedem die Wahl. CC ist für mich ein NoGo. Der Wettbewerb hat bereits reagiert. Neben unbefristeten „Demoversionen“ bis zu Starterpaketen ist schon einiges an Angeboten zu finden.

    Wer speichert seine „RAW“ Schätze freiwillig in den USA auf einem Server? Gibt es hier jemanden – wirklich?
    Man stelle sich einen illegalen Zugriff auf seinen Space vor und Teile davon erscheinen im Web. Rückgänig machen? Unmöglich !! Schaden? Im schlimmsten Fall enorm. Mehr als ein Sorry wird man jedoch nicht erwarten dürfen. Rechtsstreit mit dem Softwarehaus in den USA? Viel Spaß!

    Die Cloud ist sicher – klar! die Rente auch und die Erde ist eine Scheibe.

    Es bringt auch nichts sich lange darüber zu ärgern. Zwischenlösung wird für mich der DNG Konverter für Bodys sein, die nicht mehr unterstützt werden. Langfristig die Software vom Wettbewerb. Auch eine Kombination mit LR6 und einer anderen Software ist durchaus noch sehr sehr lange denkbar.

    Don´t Panik!

  8. Ein Backup der Daten wird mit der Cloud-Version immer noch notwendig sein, denn was in der Cloud gelöscht wird, ist sicher nicht wiederherstellbar. Nur als Anmerkung für den sehr guten Artikel. Ich habe auf *fotowissen.eu viele Alternativen zu Lightroom und Photoshop vorgestellt.
    Herzlich, Peter Roskothen

  9. Software-as-Service Modelle und Abopläne gehören heutzutage immer mehr zum Standard. Unabhängig davon gibt es eine immer größer werdende „Generation Instagram“ die mittlerweile fast komplett mobil arbeiten. Diese Leute empfangen das Update natürlich mit offenen Armen da der Workflow zwischen Smartphone/Tablet/Laptop wirklich gut funktioniert. Ich kann zwar verstehen dass viele „alt eingesessene“ Adobe Nutzer sich über das neue Modell ärgern, aber dennoch denke ich das Adobe einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat.

    Veränderungen sind meistens nicht willkommen … der Mensch ist ein Gewohnheitstier 😉

    1. >Veränderungen sind meistens nicht willkommen … der Mensch ist ein Gewohnheitstier

      Aus meiner Sicht sind Veränderungen willkommen – wenn sie positiv sind. Menschen ändern gerne ihre Werkzeuge und Workflows, wenn sie Nutzen davon haben.

      Menschen mögen es jedoch nicht, wenn Freiheitsgrade (wo speichere ich, wie arbeite ich, wie bezahle ich, etc.) beschnitten werden.

      Wie würden die Kunden von Volkswagen wohl reagieren, wenn man VWs nicht mehr kaufen sondern nur noch leasen kann?

      Und wenn alle Kunden gezwungen werden, per Leasingvertrag einen deutlich abgespeckten Polo zu fahren?

      Es gibt so etwas, was früher mal „Kundenorientierung“ genannt wurde. Der Kunde bestimmt (durch den Kauf) Eigenschaften und Preis.

      Nur, um wieder auf Adobe zurückzukommen, möchte Adobe bei LR den Kundenkreis wechseln: von Professionals / Ambitionierten mit angemessenen hohen Ansprüchen zum Massenmarkt der „Handy-Nutzer“ mit geringen Ansprüchen.

      Die bisherigen Professionals / Ambitionierten (Nutzer von LR Classic CC) haben die Entwicklung des neuen Werkzeugs (LR CC) (mit-) bezahlt. Dafür werden sie wohl nun „abgehängt“ und „im Regen stehen gelassen“. Sehr schön!

      PS: Ganz nebenbei. Wer glaubt, dass „Software as a Service“ oder „Storage as a Service“ auf Jahre oder Jahrzehnte rund um die Uhr (24/7) ohne Verfügbarkeitsprobleme, ohne Datenverlustprobleme und ohne Vertraulichkeitsprobleme auskommt, glaubt auch an den Weihnachtsmann…

  10. Hallo,
    danke für den interessanten Artikel 🙂
    Das Update von älteren Versionen auf LR6 gibt es weiterhin auf der Seite von Adobe.
    Die Kunst besteht darin, es zu finden. Dazu geht man auf „alle Produkte zeigen“ und dann findet man auf der 11 Seite die Kaufversion von LR6. Zunächst scheint es so, dass man nur die Vollversion für 130€ kaufen kann. Klickt man auf „kaufen“ öffnet sich eine neue Seite, dort kann man rechts von „Volllizenz“ auf „Lizenz-Upgrade“ umstellen, für 73,78€
    Im Anschluss wählt man noch die Version, welche man bereits erworben hat.
    Hier der Link zur Seite „alle Produkte Seite 11“: http://www.adobe.com/de/products/catalog.html?sort=date&filters=pf_252Fdesktop&filters=pf_252Fmobile&filters=pf_252Fweb&page=11

    Viele Grüße
    Sven

  11. Was ich nicht verstehe,
    ist warum LR und andere Adobe-Produkte so sehr in Fotozeitschriften und sonstigen Publikationen wie auch fotoespresso bevorzugt behandelt werden. Ich benutze keine Adobe-Produkte und würde mich sehr freuen wenn mal andere Bildbearbeitungsprogramme (es gibt eine Reihe von Corel, DxO, etc. nicht zu vergessen die GNU Software wie Gimp, RT, etc.) auf den Testplan kämen.

  12. Ja, die Entscheidung von Adobe hat auch mich getroffen!

    Ich nutze immernoch Lightroom 5, da die Version 6 für mich keine bedeutenden Verbesserungen beinhaltet.

    Mit Spannung hab ich auf die Ankündigung von Lightroom 7 gewartet, und mir sogar den Lifestream im Netz angeschaut.
    Zunächst dachte ich meine Englischkenntnisse wären nicht gut genug gewesen, aber dann Schlug der Blitz ein! Bereits nachdem Photoshop nur noch als Abo erscheinen sollte, hatte ich bereits ein großes Misstrauen gegenüber Adobe, welches dann in einen vollständigen Vertrauensverlust umschlug.

    In der Vergangenheit habe ich alle meine Fotos im RAW-Format aufgenommen, in Lightroom in das Adobe-DNG-Format konvertiert, entwickelt und bei Bedarf z.B. als JPEG exportiert.
    In Zukunft werde ich meine Bilder wohl auch im TIFF-Format entwickelt vorhalten, selbst wenn dies einen höheren Speicherplatzbedarft bedeutet.
    Besonders gute Bilder werden dann durch neu entwickelte Versionen ersetzt, sobald ich mit einem neuen RAW-Konverter bessere Ergebnisse erhalte.

    Ja, die Entscheidung von Adobe hat auch was Gutes!
    Ich habe mich gründlich umgeschaut, sowohl bei freier Software, als auch bei Kaufprogrammen.
    Und ich bin fündig geworden:

    Bereits nach kurzem Herumprobieren, habe ich mit der Testversion von „Capture One Pro 11“ oft gleich gute und stellenweise deutlich bessere Entwicklungsergebnisse erzielt, als mit Lightroom 5.
    Allerdings sollte man die meist englischen Tutorials schauen, und muss sich natürlich an die Programmoberfläche gewöhnen.
    Bis ich mich in „Capture One Pro 11“ zuhause fühle, werde ich wohl noch parallel arbeiten.

    Zur Zeit überlege ich mir eine Fujifilm X-E3 zuzulegen, die von Lightroom 5 nicht direkt unterstützt wird.
    Spätestens dann werde ich vollständig zu Capture One Pro 11 wechseln.
    Es gibt auch noch andere interessante Programme die gute Ergebnisse liefern.
    Schaut euch nur um!
    Mein Hobby macht mir auch ohne Adobe noch Spaß, und ich hab wieder was fürs Leben gelernt!

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