Erfahrungen mit dem Bildstabilisator in Canons RF-System

15. September 2021
von Akki Moto
5 Kommentare

In meinen Artikeln in den letzten zwei fotoespresso-Ausgaben haben wir uns mit der Fotografie mit langen Brennweiten beschäftigt. Gerade da ist es so, dass bei zu langer Belichtungszeit das Bild verwackelt – es entsteht Bewegungsunschärfe. Damit dies nicht geschieht, wird oft mit sehr kurzen Belichtungszeiten gearbeitet. Die Fausformel »Belichtungszeit=1/Brennweite« ist da für viele Fotografen eine gute Hilfe. Der Nachteil dabei ist, dass dabei insbesondere bei widrigen Lichtbedingungen mit recht hohen ISO-Werten gearbeitet werden muss.

Um dies zu verhindern, nutzt man Möglichkeiten der Bildstabilisierung. Der Klassiker ist die mechanische
Stabilisierung durch ein Stativ. Diese wird es auch weiterhin geben, insbesondere bei sehr langen Belichtungszeiten.
Die Stabilisierung wird nach dem sog CIPA-Standard in Blendenstufen angegeben. Eine Blendenstufe ist dann jeweils die Verdoppelung oder Halbierung der verfügbaren Lichtmenge. Acht Blendenstufen wären dann also 256 mal so viel Licht. Dabei werden der Verlängerung der Belichtungszeit natürlich Grenzen z. B. durch die Eigenbewegung des Motivs
gesetzt.

In diesem Beitrag liegt der Schwerpunkt auf der Stabilisierung durch das Kamera-Objektiv-System am Beispiel von Canons RF-System. Für die Stabilisierung des Bildes werden hier zwei Verfahren verwendet:

  1. Die Stabilisierung im Objektiv und
  2. die Stabilisierung in der Kamera (IBIS)

Bei der Stabilisierung im Objektiv sind einige optische Elemente (Linsen) im Objektiv beweglich gelagert. Bei Erschütterungen wird durch die Bewegung dieser optischen Elemente die Stabilisierung herbeigeführt. Ob ein Canon-Objektiv einen eingebauten Bildstabilisator hat, kann man an den Buchstaben IS (Image Stabilization) im Objektivnamen erkennen.

Kamera frei Hand vor den Bauch, 1/25 s eingestellt und abgedrückt. Ein guter Bildstabilisator ermöglicht solche Ergebnisse (EOS R und RF 24-105 4L bei 24 mm)

Bei der Stabilisierung in der Kamera (IBIS) ist der Sensor beweglich gelagert und wird bei Erschütterungen zum Ausgleich bewegt. Der Disput, welches der beiden Systeme das bessere sei, wird in Internetforen zuweilen sehr kontrovers und intensiv geführt. Ich selbst habe da keine Präferenzen, haben doch beide Systeme ihre Vor- und Nachteile. Während die Stabilisierung in der Kamera den Vorteil hat, auch bei nicht stabilisierten Objektiven
(einschl. meiner uralten M42-Objektive aus Praktica-Zeiten) zu wirken so besteht der Nachteil darin, dass diese Stabilisierung bei langen Brennweiten kaum noch zum Tragen kommt. Das liegt daran, dass bei größerer Brennweite der Sensor weiter bewegt werden müsste um eine adäquate Stabilisierung herbeizuführen, was aber physikalische Grenzen hat. Die Vorteile beider Systeme werden von einigen Herstellern (u. a. Olympus, Panasonic, Canon) in unterschiedlicher Art und Weise mit oft begeisternden Ergebnissen kombiniert.

IS und das EOS R-System

Als Reisefotograf ist man auf leichtes Gepäck angewiesen. Da ist es dann schon gut, wenn man auf die Mitnahme eines Statives verzichten kann und solche Bilder aus der Hand mit 1/5 s Belichtungszeit fotografiert. Im Bild zu sehen ist Sofia, die Hauptstadt Bulgariens.

Als Canon 2018 auf Hawaii die EOS R – die erste Kamera aus dem neuen R-System – vorstellte (https://youtu.be/7iJGMLUm6A4) wurde als »Herzstück« gleich zu Beginn das neue RF-Bajonett benannt, welches »die Türen für optische Innovationen in aktuellen und zukünftigen (Canon-)Produkten öffnet«. Ebenfalls vorgestellt wurde das RF 28–70 2.8L USM – ein Objektiv ohne Bildstabilisator. Ganz verstanden habe ich das System und den Sinn dahinter damals noch nicht, wozu brauche ich ein unstabilisiertes Objektiv?

Mit dem Erscheinen der EOS R5 und R6, den ersten und bisher einzigen Kameras mit eingebautem IBIS, änderte sich das. Das RF 28–70 hatte an der R6 plötzlich acht Blendenstufen Stabilisierung und das bei bester Bildqualität bis an den Rand. Der große Durchmesser des Bajonetts von 54 mm ermöglicht weitere Bewegungen des Sensors bei der Stabilisierung ohne dass es in den Sensorecken zu Randabschattungen oder Effekten durch Lichtbeugung durch das Bajonett kommt. Einige Objektive sind auch mit einem größeren Bildkreis als Vollformat gerechnet. Das macht diese zwar größer und schwerer, sorgt aber auch für diese Ergebnisse. Ein großer Unterschied zu einer Canon-Spiegelreflexkamera ist, dass die Kameras des R-Systems über eine Motiverkennung verfügen und diese nach meiner Erfahrung unterstützend bei der Bildstabilisierung wirkt.

Bei der Wirkung des Bildstabilisators am RF-System muss man einerseits zwischen Kameras ohne (R, RP) oder mit Bildstabilisator (R5, R6) unterscheiden und danach, ob man EF- oder RF-Objektive benutzt.
Die Kameras des R-Systems sind »zweisprachig«, mit RF-Objektiven kommunizieren sie im RF-Protokoll und mit EF-Objektiven im EF-Protokoll. Weitgehend funktioniert die Bildstabilisierung daher mit EF-Objektiven an der EOS R und der RP mit ähnlichen Ergebnissen wie an der Spiegelreflexkamera. Insbesondere gibt es keine Verlangsamung des Systems durch Adapter, die erst Systemsprachen »übersetzen« müssen.

Nutzt man die R5 oder R6 mit einem stabilisierten EF-Objektiv, so wird die Stabilisierung im Fernbereich vom Objektiv-IS vorgenommen und die Stabilisierung im Makro-Bereich vom eingebauten IBIS der Kamera (außer bei EF-S 35 F2.8 IS STM Macro, EF 24-70 F4L IS USM und EF 100 F2.8L IS USM Macro wo diese Funktion beim Objektiv-IS verbleibt). Die 5. Achse, das Rollen (seitliches Drehen der Kamera) übernimmt immer der IBIS. Die Zuweisung, wer bei dieser Arbeitsteilung welche Aufgabe übernimmt ist fest verdrahtet.

Noch besser funktioniert die Stabilisierung mit RF-Objektiven mit eingebautem Bildstabilisator. Durch den RF-Mount mit zusätzlichen Kontakten findet eine bidirektionale Kommunikation mit der Kamera statt. Der Prozessor im Objektiv kann daher auch auf Informationen der Kamera zurückgreifen. In der Praxis führt das regelmäßig zu besseren Stabilisierungsergebnissen als an der Spiegelreflexkamera, auch schon an der EOS R und RP. Nutzt man dann noch die EOS R5/R6 mit eingebautem IBIS kommt es vor allem im Brennweitenbereich bis 300 mm zu einer signifikanten Verbesserung der Stabilisierung um 2–3 Blendenstufen. 2–3 Blendenstufen sind 4–8 mal so viel Licht als ohne IBIS. Mein Reiseobjektiv RF 24–105 4L IS USM bietet an der EOS R 5 Blendenstufen Stabilisierung an, aber an der R6 sind es acht Blendenstufen. Für mich ist der Unterschied bei 24 mm statt ½ Sekunde frei Hand fotografieren an der EOS R dann bis zu vier Sekunden an der R6. Der IBIS der Kamera und der IS des Objektivs arbeiten zusammen und es wird jeweils die am besten geeignete Komponente für die Stabilisierung genutzt. Canon nennt das »koordinierte Bildstabilisierung« und im Sucher ist diese an dem +-Zeichen neben dem Stabilisierungssymbol oben in der Mitte erkennbar.

Nun sind fünf oder acht Blendenstufen ja zuerst einmal rein technische Werte und welche Belichtungszeiten tatsächlich erreicht werden können, hängt auch von der Erfahrung des Fotografen ab. Für mich selbst bedeutet die Bildstabilisierung im EOS R-System zuerst einmal: Ich fotografiere, wenn ich will, abends in der blauen Stunde in einer beleuchteten Stadt 1/5 s aus der Hand und kann mir die Mitnahme eines Statives ersparen. In Innenräumen (z. B. Kirchen) kann ich lautlos länger belichten und habe auch dank geringerer ISO-Werte einfach bessere Bilder.

Mitzieher

Mit der EOS R6 und dem RF 28-70 2L USM (ein Objektiv ohne Bildstabilisator) gelingt zwar bei 1/100 s kein klassischer Mitzieher, aber die leichte Bewegungsunschärfe im Hintergrund hilft bei der Freistellung des Motivs.
Model: @kira_mln

Eine besondere Form der Bildstabilisierung ist die für Mitzieheraufnahmen. Durch eine längere Belichtungszeit und dem gleichzeitigen Mitschwenken der Kamera mit dem Motiv gelingt es, im Hintergrund Bewegungsunschärfe zu produzieren. Je länger die Belichtungszeit, je schneller das Motiv, je näher das Motiv, desto mehr Bewegungsunschärfe ist erreichbar.

Um Mitzieheraufnahmen zu erstellen, muss der Moduswahlschalter am Objektiv in die Stellung 2 gebracht werden oder das Objektiv muss die automatische Schwenkerkennung unterstützen (dazu später im Beitrag mehr). Dadurch stabilisiert das ­Objektiv nur Verwacklungen im rechten Winkel zur Schwenkrichtung. Bei einem Mitzieher in horizontaler Richtung wird also in vertikaler Richtung stabilisiert.

Als sehr hilfreich erweist sich das Vorhandensein der Motiverkennung und -verfolgung, was allerdings voraussetzt, dass diese Autofokusmethode auch eingestellt wird. Mit der Motivverfolgung ist die Kamera im Gegensatz zu einer Spiegelreflexkamera ohne Motiverkennung in der Lage, kleinere Geschwindigkeitsunterschiede zwischen dem Motiv und der Kamerabewegung auszugleichen. Dies führt in der Praxis zur Möglichkeit längerer Belichtungszeiten bzw. einer erhöhten Trefferquote bei Serienbildaufnahmen.

Einen Sonderfall stellen die Mitzieher dar, welche mit einer Kamera mit eingebautem IBIS und einem nicht stabilisierten Objektiv aufgenommen werden. Eine Mitzieher-Stabilisierung ist für diese Kombination nicht dokumentiert und m. E. auch nicht vorhanden. Der IBIS stabilisiert immer in alle Richtungen. Insbesondere bei längeren Belichtungszeiten versucht die Kamera bei Mitziehern auf dem Motiv zu bleiben, schafft es aber nicht und schwenkt dann zurück in die Ausgangslage um es erneut zu probieren. Das führt dann zu einer wellenförmigen Abbildung des Motivs. Nutzt man eine kurze Belichtungszeit in Verbindung mit der sehr guten Motivverfolgung, können kleinere Mitzieher gelingen. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang eine Autofokus-Einstellung, die darauf ausgerichtet ist, dass die Kamera so lange wie möglich auf dem Motiv verbleibt (Case 2).

Mikro-Mitzieher

Mit der EOS R und dem RF 70–200 2.8 L IS USM unterwegs. Bei 1/125 s und der Offenblende 2.8 komme ich hier unter suboptimalen Lichtbedingungen auf ISO 320. Am Spieler im Vordergrund mit der Rückennummer 12 kann man ganz gut die leichte Bewegungsunschärfe erkennen.

An dieser Stelle möchte ich auf eine von mir vielfach praktizierte Aufnahmetechnik eingehen, die ich Mikro-Mitzieher nenne. Ich fotografiere regelmäßig Handballspiele (Amateure). Die Lichtverhältnisse in den Schulsporthallen auf dem flachen Land sind oft suboptimal. Wenn man die für den Handballsport üblichen 1/500 – 1/800 s Belichtungszeit anwendet, landet man dann leicht bei ISO-Werten zwischen 6.400 und 10.000. Bei 1/125 – 1/250 s kommt es zu Bewegungsunschärfen des Spielers, die oft nicht gewollt sind.

Die Lösung ist, ein Bild, welches nicht als klassischer Mitzieher geplant ist, trotzdem technisch als Mitzieher aufzunehmen. Dazu muss der Modusschalter für den Bildstabilisator am Objektiv in die Position 2 gebracht werden und die Kamera bei der Aufnahme dann auch aktiv geschwenkt (mitgezogen) werden. Dabei ist die Motiverkennung auch wieder sehr hilfreich. Es geht bei dieser Methode nicht um die längste Belichtungszeit um bei ISO 100 anzukommen, sondern darum mit der (ggf. leichten) Verlängerung der Belichtungszeit hier mit einem geringeren ISO-Wert aufnehmen zu ­können. Wie weit man dann die Belichtungszeit verlängern kann, hängt auch von der Erfahrung des Fotografen ab. Aber solche Aufnahmetechniken kann man ja auch üben. Im ­Ergebnis ­erhält man ein besseres Bild auf Grund des höheren Dynamikumfangs des ­Sensors bei geringerer ISO-Zahl, ein Bild bei dem das Motiv auch durch die leichte Bewegungsunschärfe des Umfeldes besser freigestellt werden kann und ein Bild welches durch Bewegungsunschärfen am Motiv (z. B. Arme und Beine) eine gewisse sportliche Dynamik ausstrahlt.

Mikro-Mitzieher kann man aber nicht nur beim Hallensport aufnehmen. Es geht wie gesagt um eine leichte Verlängerung der Belichtungszeit: beim Hallenhandball von 1/500 s auf 1/250 s, beim vorbeifliegenden Adler in der Flugshow im Wildpark von 1/2.000 s auf 1/1.000 oder 1/640 s usw.

Die Objektive RF 70–200 mm F2.8 L IS USM, RF 70–200 mm F4 L IS USM und RF 100–500 mm F4.5–7.1 L IS USM verfügen zusätzlich über einen Bildstabilisatormodus 3. Dieser funktioniert zuerst einmal wie der Modus 2 – die Kamera wird in der Bewegungsrichtung stabilisiert. Der Vorgang findet im Modus 3 allerdings nur während der Belichtungsmessung statt, die Vorlaufzeit des Objektives, die Bewegungsrichtung zu erkennen ist dadurch verkürzt. Das bringt Vorteile, wenn die Bewegungsrichtung von Aufnahme zu Aufnahme variiert, weshalb der Modus 3 für Ballsportarten oder andere sich unregelmäßig bewegende Motive besonders geeignet ist. Bei Mitziehern mit langen Belichtungszeiten und bei Motiven, deren Richtung vorherzusehen ist (z. B. Motorsport, Verkehr) sollte weiterhin mit dem Modus 2 gearbeitet werden.

Während die Objektivhersteller durchweg die Bildstabilisatormodi 1 und 2 identisch belegen (Modus 1 Stabilisierung in alle Richtungen, Modus 2 für Mitzieher), habe ich beim Modus 3 unterschiedliche Funktionen gesehen. Lesen Sie in Ihrer Objektivbedienungsanleitung nach, welche Funktion der Modus 3 bei Ihrem Objektiv hat, wenn ein Modus 3 vorhanden ist.

Automatische Schwenkerkennung

Mit etlichen Objektiven die zwar einen Bildstabilisator besitzen aber keinen Umschalter zwischen den Bildstabilisator-Modi 1 und 2 sind trotzdem durch den Bildstabilisator unterstützte Mitzieher möglich. Denn diese Objektive haben dann eine automatische Schwenkerkennung und schalten selbständig zwischen den beiden Modi um. In der Bedienungsanleitung des Objektives stehen dann Hinweise wie: »Bei der Aufnahme unbeweglicher Motive wird eine Verwacklung in allen Richtungen kompensiert. Bei Folgeaufnahmen in horizontaler Richtung erfolgt eine Kompensierung einer vertikalen Verwacklung, und bei Folgeaufnahmen in vertikaler Ricktung erfolgt die Kompensierung einer horizontalen Verwacklung.« (Quelle: Bedienungsanleitung Canon RF 35 mm 1.8 IS STM) Ich lese mittlerweile auch die Objektiv-Bedienungsanleitungen.

Beide Bilder wurden mit identischen Kameraeinstellungen aufgenommen. Zum Einsatz kam die EOS R mit dem RF 35 1.8 IS STM bei 1/25 s. Im oberen Bild wurde das Mauerwerk fokussiert und im unteren Bild die U-Bahn »mitgezogen«. Die automatische Schwenkerkennung macht es möglich.

Die automatische Schwenkerkennung ist ein Traum für Streetfotografen. Denn ohne die Einstellungen an der Kamera zu ändern, kann man im Wechsel statische Motive und Mitzieher aufnehmen. Das macht insb. Sinn, da auch mit dem Modus 1 leicht längere Belichtungszeiten zu erreichen sind. Damit die Kamera die Objektivbewegung besser identifizieren kann, ist es nach meiner Erfahrung sinnvoll, bereits einige Augenblicke vor der Auslösung die Fokussierung zu starten und die Bewegung der Kamera zu beginnen. Also Schwenken beginnen, Auslöser halb durchdrücken, Auslösen, ein kleines bisschen weiterschwenken. Das ist ähnlich wie bei einem guten Golfschwung, der in der Bewegung immer »durch den Ball« gehen muss und nicht kurz hinter dem Ball endet.

Etwas schwieriger wird es, wenn die Schwenkbewegung recht langsam ist. Das kann auch die im vorherigen Abschnitt vorgestellte Aufnahmeart des Mikro-Mitziehers betreffen. Die langsame Schwenkbewegung kann bei sehr langsamen mitzuziehenden Motiven oder bei großer Motiventfernung auftreten. In diesem Fall, ich hatte das z. B. mit dem RF 600 F11 und einem Flugzeug in ca. 3700 m Höhe im Landeanflug, kann es sein, dass der Mitzieher als solches nicht erkannt wird. Leider kann man die Empfindlichkeit für die »Umschaltschwelle« zwischen Modus 1 und 2 nicht einstellen. In diesem Fall hilft nur, eine kürzere Belichtungszeit zu verwenden oder den Bildstabilisator auszuschalten.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages haben alle erhältlichen Canon RF-Objektive, die zwar über einen Bildstabilisator verfügen aber keinen Modus-Umschalter haben, die automatische Schwenkerkennung.

Von den EF-Objektiven verfügen u. a. das EF 16–35 mm F4L IS USM, EF 24–70 mm F4L IS USM, EF 24–105 mm F4L II IS USM, EF 24–105 mm F3,5–5,6 IS STM, EF 70–300 mm F4–5,6 IS II USM, EF 24 mm F2,8 IS USM, EF 28 mm F2,8 IS USM, EF 35 mm F2,0 IS USM und das EF 85 mm F1,4L IS USM über die automatische Schwenkerkennung. An den RF-Kameras können mit einem Adapter auch EF-S-Objektive (gerechnet für APS-C) angebracht werden, von denen etliche auch diese Funktion haben.

Auch mit Canons EF 16–35 4L IS USM gelingen an einer RF-Kamera Mitzieheraufnahmen.
Kira (@kira-mln) wurde hier im SERVO-Modus mit Augenerkennung mit einer Belichtungszeit von 1/40 s aufgenommen, die automatische Schwenkerkennung des Objektives machte dieses Bild möglich.

Mit den EF- und EF-S-Objektiven kann man Mitzieher dann auch mit einer Canon-Spiegelreflexkamera (DSLR) aufnehmen. Bis auf wenige Ausnahmen verfügen die Canon-Spiegelreflexkameras allerdings bei der Aufnahme mit Blick durch den Sucher nicht über eine Motivverfolgung. Hier können nach meiner Erfahrung mit EF-Objektiven an einer RF-Kamera bessere Ergebnisse erzielt werden – bei mir führte das zu einer höheren Trefferquote.
Da Weitwinkelobjektive durchweg über keinen Modus-Umschalter für den Bildstabilisator verfügen, werden mit der automatischen Schwenkerkennung der entsprechenden RF- und EF-Objektive auch Mitzieheraufnahmen im Weitwinkelbereich möglich. Und gerade in dieser Konstellation kann man dann sehr interessante (bewegungs-)dynamische Aufnahmen aus ungewöhlichen Perspektiven schaffen.

Fazit

Die Größe des »Belichtungsdreiecks« aus Blende, ISO und Belichtungszeit gibt den Raum vor, in dem der Fotograf bei der Aufnahme agieren kann. Je offener die Blende ist, je rauschärmer der Sensor und je länger man auf Grund auch einer guten Bildstabilisierung belichten kann, desto mehr Licht hat man dann zur Verfügung. Und gerade bei der Belichtungszeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies an der EOS R und RP in Verbindung mit einem RF-Objektiv mit eingebautem Bildstabilisator besser funktioniert als an einer DSLR. Noch besser wird es dann an der R5/R6 mit eingebautem IBIS und Objektiven, die eine koordinierte Stabilisierung unterstützen.

Die alte fotografische Regel Belichtungszeit=1/Brennweite scheint nicht mehr zu gelten. Die Belichtungszeit ist (fast) nur noch von den fotografischen Vorgaben für die Aufnahme (Motivbewegung, gewünschte Bewegungsdynamik) abhängig. Und diese Erweiterung meines fotografischen Gestaltungsspielraumes ist es, was mich zu einem Liebhaber des EOS R-Systems macht.

Die Verwendung besonders langer Belichtungszeiten und recht hoher ISO-Werte erfordert einige fotografische Erfahrung, insbesondere wenn man in Belichtungszeiten und ISO-Bereiche vorstößt, die man bisher nicht bedient hat. Ich kann Sie nur ermutigen, mit Übungs- und Testshootings die neuen Möglichkeiten zumindest einmal auszuprobieren. Sie werden genauso viel Spaß dabei haben wie ich.

Transparenzhinweis: Das Canon RF 28–70 USM wurde mir für diesen Beitrag freundlicherweise von Canon Deutschland zur Verfügung gestellt. Ich danke Martin Achatzi, Andreas Jürgensen und Katja Punner für den kollegialen Austausch und dem Model Kira für die unglaubliche Geduld mit mir.

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5 Kommentare:
  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich habe mir die R6 mit 2.8 28-70 und 2.8 70-200 zugelegt und – ich gebe es zu – nicht in die Objektivbeschreibungen geschaut. Jetzt bin ich um einiges schlauer und werde mit neuen Aufgaben und Ideen diese Funktionen sicher mehr nutzen.
    Herzliche Grüße
    Jörg

  2. Hallo Akki Moto,

    vielen Dank für die fundierte Darstellung von diesem komplexen Thema.

    Ich habe verstanden, dass der Objektiv Stabi und Camera IBIS quasi als Team zusammenarbeiten. Die Kamera erkennt den Objektv-IS und beide kooperieren.
    Fragen:
    1. Wann ist die Stabilisierung ausgeschaltet? Reicht es aus, den IS am Objektiv auszuschalten, um die ganze (IS und IBIS) Stabilisierung zu deaktivieren? So müsste man nicht die Änderung recht umständlich im Kameramenü vornehmen.
    2. Is es möglich nur ein Teil des Systems (z.B. Objektiv IS an und IBIS aus) zu nutzen?
    3. Sind die Antworten für 1 und 2 identisch für die Kombi Canon R6 mit RF- und AF-Objektiv?

    Herzliche Grüße,
    Piotr

    1. Hallo Piotr,
      zu 1.
      Gibt es IBIS und OIS (Optical Image Stabilization = Objektiv IS), so kann man nur das Gesamtsystem ein- und ausschalten. Dies geschieht mit dem Schalter am Objektiv.
      zu 2.
      IBIS allein kann man im R-System nur mit einem unstabilisierten Objektiv nutzen, OIS allein nur mit einer Kamera ohne IBIS (R, RP, R10)
      zu 3.
      Ja, ich glaube Sie meinen RF und EF. Der Unterschied ist halt die Art der Zusammenarbeit (EF fest verdrahtete „Aufgabenteilung“ – eine Aufgabe wird entweder von OIS oder IBIS erledigt, RF (bei den Objektiven die das unterstützen https://cam.start.canon/de/H001/supplement_0050.html) der koordinierte IS, aber das ist ja im Beitrag erläutert.

      Liebe Grüße
      Akki

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